Kultur schlägt Strategie: Nachlese zum ZRK-Morgenimpuls mit Mario Gubesch
Was trägt, wenn der Notfallordner nicht passt? Mario Gubesch zeigte beim ZRK-Morgenimpuls am 9. Oktober 2026, warum in Ad-hoc-Lagen die gelebte Kultur entscheidet und nicht der Plan.
Am 9. Oktober 2026 war Mario Gubesch zu Gast beim ZRK-Morgenimpuls. Der Geschäftsführer der Ordnungsdienst der Stadt Linz GmbH sprach über „Culture eats Strategy for Breakfast - Der unsichtbare Resilienzfaktor in kommunalen Betrieben".
Das Paradoxon der Verwaltung
Der Ordnungsdienst ist eine privatrechtliche Tochter der Stadt Linz mit 30 Mitarbeitenden im Außendienst, die klassische Aufgaben eines Gemeindewachkörpers erfüllen. Öffentliche Verwaltungen, so Gubesch, sind auf Null-Fehler-Toleranz und Regelbetrieb optimiert. Im Alltag ist das richtig. In einer Lage, für die es keine Vorschrift gibt, kostet es Zeit.
Als Gegenbild nannte er die Hochzuverlässigkeitsorganisationen: Sie schauen auf die Realität statt auf den Plan, lernen aus Beinahe-Fehlern, bleiben beweglich und geben die Entscheidung dorthin, wo die Fachkenntnis sitzt - zu den Menschen vor Ort.
Ein Baum am Tummelplatz
Wie das aussieht, zeigte er am Samstag, dem 6. Juli 2024. Gegen 20:15 Uhr brach beim Ritterfest am Linzer Tummelplatz ein großer Baum teilweise ab, es entstand eine Gefahrenlage. Ein Samstagabend mitten im Fest - also genau die Stunde, für die kein Schichtplan etwas vorsieht. Sein Team übernahm kurzfristig die Absperrung, die Dienstpläne wurden angepasst, und die Führung vor Ort lag bei den Teamleitern. Niemand musste auf eine Freigabe warten.
Für Gubesch war das kein Zufall, sondern das Ergebnis der Kultur. Psychologische Sicherheit und ein offener Umgang mit Fehlern sind ihre Grundlage.
Die Diskussion
Juergen Schulze fragte, wie man Mitarbeitende an diese Eigenverantwortung heranführt. Die Antwort war unspektakulär: tägliche Besprechungen von zehn bis zwanzig Minuten, in denen Probleme und Fehler offen angesprochen werden.
Wolfgang Reisinger brachte die Kommunikation nach außen ein. Wenn mehrere Mitarbeitende Journalisten unterschiedlich antworten, entsteht ein widersprüchliches Bild - es braucht eine zentrale Stelle. Gubesch bestätigte, dass seine Leute geschult sind, Medienanfragen höflich an die Geschäftsführung zu verweisen.
Was bleibt
Damit berührt der Vortrag ein Thema, das das ZRK seit Jahren begleitet: die strategische Resilienz. Sie wird meist über Strukturen, Methoden und Analysemodelle gedacht. Gubesch hat an diesem Morgen die andere Hälfte gezeigt: Einen Notfallordner kann man schreiben, eine Kultur nicht. Sie entsteht in jenen zehn Minuten am Morgen, in denen jemand ausspricht, was schiefgelaufen ist, ohne dafür belangt zu werden. Ob sie trägt, zeigt sich dann an einem Samstagabend um 20:15 Uhr.
Genau dafür gibt es die ZRK-Morgenimpulse: kurze Einblicke aus der Praxis, an denen sich prüfen lässt, was in der eigenen Organisation tragen würde.